Entstehung einer Depression
- Stefanie Heß
- vor 1 Tag
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Aktualisiert: vor 8 Stunden
Entstehung einer Depression: Was ist eine Depression und was hilft gegen Depressionen?
Entstehung einer Depression – wie beginnt sie eigentlich? Fühlen Sie sich oft schlapp, erschöpft und müde? Fühlen Sie sich oft lustlos und traurig? Oder haben Sie den Gedanken, Sie seien wertlos? Haben Sie Angst vor der Zukunft? Fragen Sie sich, ob Sie an einer Depression leiden – oder was man tun kann, wenn man depressiv ist?
Fast jeder erlebt im Laufe seines Lebens Symptome wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Traurigkeit – oft im Zusammenhang mit belastenden Ereignissen, Krankheiten oder sozialen Stresssituationen.
Doch ab wann spricht man im klinischen Sinne wirklich von einer Depression – also einer behandlungsbedürftigen Störung gemäß ICD-10? Welche Symptome kennzeichnen die Entstehung einer Depression? Und wie können Wege aus der Depression aussehen?
Diesen Fragen widmet sich dieser Artikel. Außerdem erhalten Sie konkrete Tipps und Übungen, wie Sie sich selbst bei der Bewältigung einer Depression unterstützen können.
Entstehung einer Depression: Wie entsteht eine Depression?
Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. In der Psychologie werden verschiedene Entstehungsmodelle diskutiert. Eines ist klar: Es gibt nicht den einen Schalter in uns Menschen, der umgelegt wird – und schon ist die Depression da. Die Entstehung einer Depression ist kein Zeichen von Schwäche oder ein Defekt. Wenn das Leben zur Qual wird, sind wir als Menschen mit Depression nicht weniger wert. Genau das vermitteln auch viele prominente Betroffene mit ihrer Offenheit.
Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die wichtigsten psychologischen Theorien zur Entstehung einer Depression.
Das Vulnerabilitäts-Stressmodell: Erklärung zur Entstehung einer Depression
Die Vulnerabilität (lat. „vulnus“ = Wunde) beschreibt die grundsätzliche Anfälligkeit eines Menschen für psychische Erkrankungen. In Kombination mit Stress reagieren Menschen unterschiedlich stark. Entscheidend ist der Zugang zu sogenannten Ressourcen – inneren und äußeren Kraftquellen, die helfen, mit Belastungen umzugehen.
Als Ressourcen bezeichnet man in der Psychologie innere und äußere Faktoren, die einem Menschen helfen Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlbefinden zu fördern. Ressourcen können demnach physische, emotionale, soziale als auch kognitive Fähigkeiten sein, die den Umgang mit Stress und Belastungen erleichtern.
Beispiele für Ressourcen:
Soziale Unterstützung durch Freunde und Familie
Emotionale Resilienz (psychische Widerstandskraft)
Finanzielle Sicherheit
Persönliche Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz
Körperliche Gesundheit
Erlernte Hilflosigkeit – ein Erklärungsansatz zur Entstehung einer Depression
Das Modell der erlernten Hilflosigkeit (Martin Seligman) geht davon aus, dass Menschen depressiv werden, wenn sie glauben, keinerlei Kontrolle über ihr Leben zu haben – und gleichzeitig sich selbst die Schuld daran geben. Diese Mischung aus Ohnmacht - fehlender Selbstwirksamkeitserwartung - und Selbstverurteilung begünstigt die Entstehung einer Depression erheblich.
Kognitives Modell nach Aaron T. Beck: Gedankenmuster und die Entstehung einer Depression
Das kognitive Modell erklärt die Entstehung einer Depression durch automatische negative Gedanken und Überzeugungen – sogenannte dysfunktionale Denkmuster. Becks sogenannte „kognitive Triade“ beschreibt dabei drei typische Sichtweisen:
Die kognitive Triade nach Aaron T. Beck beschreibt drei typische Denkmuster, die bei Depressionen auftreten: negative Sichtweisen auf das Selbst, die Welt und die Zukunft:

Beispiele für solche Gedanken:
Negative Sicht auf das Selbst:
„Ich bin ein Versager und nichts wert.“
„Ich kann nichts richtig machen.“
Negative Sicht auf die Welt:
„Niemand versteht mich oder kümmert sich um mich.“
„Alles in meiner Umgebung ist schlecht oder feindlich.“
Negative Sicht auf die Zukunft:
„Es wird sich nie etwas ändern.“
„Meine Zukunft ist aussichtslos.“
Diese inneren Überzeugungen führen oft zu einem inneren Teufelskreis und können die Entstehung einer Depression dauerhaft verstärken.
Multifaktorielle Entstehung einer Depression: Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren
Neben den genannten Modellen gibt es zahlreiche weitere Einflussfaktoren, die zur Entstehung einer Depression beitragen können:
Biografische und psychologische Faktoren:
Schock- oder Entwicklungstraumata
Ungünstige Bindungserfahrungen
Vernachlässigte Grundbedürfnisse
Persönlichkeitsfaktoren:
Fehlende Strategien zur Emotionsregulation
Emotionale Labilität
Abhängige Persönlichkeitsstile
Sozioökonomische Ursachen:
Belastende Lebensbedingungen (z. B. Arbeitslosigkeit, Armut)
Bildungsstand, berufliche Perspektiven
Eingeschränkter Zugang zu Unterstützung
Biologische Faktoren:
Genetische Veranlagung
Neurochemische Dysbalancen (z. B. Serotonin, Noradrenalin)
Hormonelle Einflüsse
Differentialdiagnostik: Wenn es keine Depression ist
Die Entstehung einer Depression muss sorgfältig abgegrenzt werden – denn nicht jede Niedergeschlagenheit bedeutet automatisch eine depressive Störung. In der Diagnostik werden ähnliche Krankheitsbilder ausgeschlossen:
Beispiele:
Bipolare Störung
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Demenz
Auch körperliche Erkrankungen (z. B. Schilddrüsenerkrankungen) oder Medikamente (z. B. Neuroleptika, Betablocker) können depressive Symptome auslösen. Deshalb ist eine differenzierte Abklärung so wichtig.
Therapie und Beratung bei Depressionen
Professionelle Unterstützung kann ein entscheidender Wendepunkt sein – gerade wenn die Entstehung einer Depression sich über längere Zeit angebahnt hat oder Sie das Gefühl haben, alleine nicht weiterzukommen. In einer geschützten Gesprächsatmosphäre können Sie Ihre Gefühle sortieren, verstehen, was dahinter steckt, und herausfinden, welche nächsten Schritte wirklich gut für Sie wären. Oft ist es genau diese Entlastung, die neue Bewegung in festgefahrene Prozesse bringt.
Ich begleite Sie online – flexibel, vertraulich und ortsunabhängig. Wenn Sie gerade auf einen Therapieplatz warten oder einfach erste Schritte gehen möchten, biete ich Ihnen einen geschützten Raum für Ihre Themen. Ein kostenfreies Vorgespräch ist jederzeit möglich – ganz in Ihrem Tempo.
Wenn Sie an einer schweren Depression leiden, wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Hausarzt, einen Psychiater oder eine psychologische Psychotherapeutin.
In manchen Fällen kann es hilfreich sein, Medikamente in Betracht zu ziehen – dieser Schritt sollte aber immer gut begleitet und ärztlich abgeklärt werden.
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Quellen & Inspirationen:
H.U. Wittchen, J.Hoyer (2006) Klinische Psychologie &Psychotherapie Heidelberg, Berlin: Spinger
Verlag.
Schaub et al.: Kognitiv-psychoedukative Therapie zur Bewältigung von Depressionen, 2006 Hogrefe, Göttingen